Montag, 1. November 2010

OIBM Bad Wiessee, Runde 2

Sommerlich warm präsentierte sich der zweite Spieltag den Gedankenakrobaten aus dem Pinzgau. Während Mike im lockeren Lauf an den Ufern des Tegernsees Ausgleich zum beinharten Wettkampf suchte, bereitete sich Werner mit Ruhe und Meditation vor. Ein vorzügliches Mittagessen in einer Pizzeria nahe des Spielsaals schloss die beiderseitigen Vorbereitungen auf die zweite Partie des Turniers ab - sollte der geneigte Leser am Ergebnis dieser Partien Interesse zeigen, so lese er weiter und staune. Auf Brett 126 spielte Thurner Mike mit den weißen Steinen gegen Wimmer Alfred (ELO 2057 - noch). Die von den beiden gewählte Eröffnung wird sicher einen Namen haben - dem Schreiber dieser Zeilen ist der allerdings nicht geläufig, der Leser möge dies entschuldigen. Das eine Partei am Königsflügel angreift und dabei die entsprechenden Bauern ohne Zögern in die Schlacht wirft ist ein bekanntes Motiv, und so führte denn auch Mike seinen h und g Bauern ohne Furcht Richtung gegnerischen König (bzw die den schwarzen König schützende Bauernmasse). Eher ungewöhnlich ist, dass sich zwischen den verfeindeten Bauernheeren ein Turm befindet, gar mancher Spieler hätte wohl Bedenken, ob diese wertvolle Figur nicht eingesperrt und von den feindlichen Bauern zu Fall gebracht werden könnte. Nicht so Mike, der den a-Turm über einige wenige Stationen auf die h-Linie beförderte - wie gesagt, vor seinen Bauern - ein bisschen Spass muss sein *sing. Wie durch ein Wunder (Mike besteht hier auf der Formulierung "durch überlegtes Spiel") konnte der Turm allen Anfeindungen widerstehen und als sich schließlich die Kampfesnebel senkten und den Blick auf ein Doppelturmenspiel freigaben konnte jedermann der guten Willens war erkennen: dieser aktive Turm war Mikes großes Plus. Dies schätzte auch Wimmer so ein, und nach einigen weiteren Abtauschaktionen bot er Remis - Mike überlegte nur kurz und reichte freudenstrahlend die Hand. Auf Brett 145 wurde Werner Lamberger (Schwarz) mit Auschkalins Reinhard (EOL 1863) ein scheinbar machbares Los zugeteilt. Als sich die Spieler am Brett trafen, erkannten sie, dass es einen gemeinsamen Bekannten gibt - Dr. Bullmover Christian Klamp - ein herzliches Hallo an ihn, sollte er diese Zeilen denn jemals lesen. In dieser wohligen Stimmung des sich gegenseitigen Kennens wollte erst kein rechter Kampf entbrennen und nach einigen Zügen bot Auschkalnis Remis - ein Ergebnis dass Werner nicht genug war. Schließlich bot der entstandene Holländer Raum für die eine oder andere Angriffsphantasie. Im Gegenzug tat sich der Weiße etwas schwer, einen Plan für's Mittelspiel zu finden. So kam es, dass Werner alle verfügbaren Ressourcen für einen entscheidenden Königsangriff mobilisieren konnte. Bereits vor den entscheidenden Einschlägen der schwarzen Armada gab sich Weiß geschlagen. 1,5-0,5 - ein Ergebnis mit dem wir auch in den folgenden Runden gut leben könnten. Viel wichtiger als dieses Ergebnis ist aber - der aufmerksame Leser wird es bereits bemerkt haben - ist die Erkenntnis, die wir aus dem gesamten Tag ziehen können: Nicht das archaische kraftraubende Laufen führt letztlich zum vollen Erfolg im Schach - nein, in der Ruhe liegt die Kraft! (Autor: Werner Lamberger)
Kommentar veröffentlichen