Mittwoch, 3. November 2010

OIBM Bad Wiessee, Runde 4

Abhaken und schnell vergessen - damit wäre die vierte Runde im bayerischen Bad Wiessee aus Uttendorfer Sicht umfassend und abschließend beschrieben. Auf Brett 133 trat Walesch Reiner (ELO 1792) gegen Werner Lamberger (Schwarz) an. Die viel zitierte Papierform würde einen mehr oder weniger schnellen Sieg von Werner prognostizieren, schade doch, daß Walesch sich davon in keinster Weise beeindrucken ließ. Gegen Werners Holländer griff er im Zentrum beherzt an, erreichte den Abtausch von Bauern und Damen und konfrontierte Werner in einer äußerst unangenehmen Stellung mit einem Remisangebot. Ein reflexartiges "sicher nicht" konnte sich Werner gerade noch verbeißen, je länger er die Stellung betrachtete und analysierte, desto schmeichelhafter erschien der mögliche Friedensschluß und so reichte Werner letztlich die Hand zur Punkteteilung. Wahre Dramen spielten sich auf Brett 185 in der Partie Thurner Mike (mit Weiß) gegen Puehn Georg (ELO 1961) ab. Nach zwanzig Zügen stellte sich dem Beobachter die Frage, was wohl Mike's Damenspringer und Damenturm verbrochen hatten, daß sie so gar nicht am Spiel teilnehmen durften. Just in diesem Moment entschloss sich Puehn, seinen Königsflügel mit g6 nachhaltig zu schwächen (der schwarzfeldrige Läufer war bereits beurlaubt wodurch die schwarzen Felder am Königsflügel nachhaltig geschwächt wurden). Mike konnte in der Folge alle schwarzen Figuren zurückdrängen, einen Bauern nach f4-f5-f6 stellen und so eine permanente Mattgefahrstimmung erzeugen. In dieser Phase hätte Mike alle Figuren einfach zum Königsflügel schwenken und einen unwiderstehlichen Angriff inszinieren können. Stattdessen beschloss Mike, den Schwierigkeitsfaktor etwas zu erhöhen, in dem er sich zwanglos von einer Qualität trennte. Das ließ Puehn nicht auf sich sitzen, er opferte die Qualität postwendend ohne Not zurück. Da nun beiderseits keine Türme mehr zu verschenken waren, entschloss sich Mike, einen Bauern ins Geschäft zu investieren. Sein Gegner griff beherzt zu, konnte im Anschluß auch noch die Damen tauschen und fieberte einem Endspiel guter Springer + 6B gegen schlechter Läufer + 5B entgegen. Schnell fiel auch noch Mike's a-Bauer dem Pferd zum Opfer doch Mike gab nicht auf. Durch ein Bauernopfer konnte er mit dem König in die schwarze Stellung eindringen und drohte, die Basis der schwarzen Bauern auf c6 erobern und sich einen unhaltbaren Freibauern zu schaffen. Puehn begann bereits die Züge zu wiederholen, er hatte sich wohl mit dem Remis als bestmögliches Ergebnis abgefunden, da machte Mike den spielentscheidenden Fehler. Im Vertrauen auf die Kraft des Freibauern opferte er den Läufer - einen Zug später erkannte auch Mike das Problem: der heimtückische Springer konnte den ambitionierten Bauern aufhalten. Entnervt gab Mike auf. (Autor Werner Lamberger)
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