Donnerstag, 4. November 2010

OIBM Bad Wiessee, Runde 5

Den Beginn der zweiten Turnierhälfte gestaltete die Uttendorfer Delegation in Bad Wiessee naturverbunden. Mit einem Schiff ging es bei strahlendem Wetter zur Rundfahrt am Tegernsee. Die Orte Tegernsee, mit seinem imposanten Kloster und Rottach waren kurze Anlegepunkte während der Reise - hier hätte man die Gelegenheit, die Schifffahrt zu unterbrechen und zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen, doch das herrliche Wetter lud dazu ein, einfach die Seeluft zu geniessen und die Seele baumeln zu lassen. Denn wie der regelmäßige und aufmerksame Leser weiß: in der Ruhe liegt die Kraft - womit wir bei den Ereignissen auf den berühmten 64 Feldern angelangt sind.   Werner Lamberger (mit Weiß) bekam auf Brett 141 Mario Kristofic (ELO 1726) zugelost, einen vereinslosen Landsmann aus Kärnten, der sehr selbstbewusst in die Partie startete. Obwohl Werner vom ersten Zug weg klar machte, dass das Motto des Tages 'Angriff, Angriff, Angriff!' lautet - Kristofic blieb hochgradig unbeeindruckt und baute konsequent die Verteidigung aus. Es war zwar etwas eng im schwarzen Lager, aber jedes Feld war mehrfach überdeckt und Werner begann einwenig mit dem Schicksal zu hadern. Ein erneutes Remis gegen einen ELO-mäßjg deutlich schwächeren Gegner wäre wohl auch mit noch so großem Geschick kaum als Erfolg zu verkaufen. Während sich in Werner's Hinterkopf mit leisen Stimmen die möglichen Kommentare der zuhause gebliebenen Vereinskollegen formten ("Aufbruchsstimmung im Kärtner Amateurschachsport"), blitzte im Variantendschungel ein Mattmotiv auf. Erst nur als ganz kleines Lichtlein, gefährdet beim kleinsten Windhauch zu erlöschen, wuchs mit jeder weiteren Berechnung eine immer ansehnlichere Flamme heran und als Werner seine Studien der Stellung abgeschlossen hatte, kam es zu einer wahren Feuersbrunst: Läuferopfer auf g6, gefolgt von Damenopfer auf h7 - und Matt in zwei - Kristofic reichte Werner die Hand und gratulierte zum Sieg. Auf Brett 197 nahmen Di Lazzaro Gabriele (ELO 1901) und Thurner Mike (Schwarz) Platz. Ein weiterer schwerer Brocken für Mike - zumindest wenn man ausschließlich die ELO Zahlen zur Bewertung heranziehen würde. Doch lwie schon an den vergangenen Tagen - am Spielbrett konnte man zu keiner Zeit einen ELO Unterschied von 200 Punkten erkennen. Mike's neue Liebe, sizilianisch mit a6 im zweiten Zug erwies sich als genau das richtige Mittel gegen den Italiener. Mike konnte erst einen, dann einen weiteren Bauern gewinnen, und das ohne irgendwelche positionelle Schwächen zuzulassen. Nach dem Abtauch von Dame, Turm und zwei Leichtfiguren nahm die Stellung bereits erfreuliche Endspielcharakteristika an, als Mike überraschend einen Bauern einstellte. Derart motiviert bot der Italiener Remis, das Mike trotz seines Mehrbauerns annahm. Zu sehr waren noch die Schnitzer im Verlauf der gestrigen Partie präsent - daher lieber den Remisspatz in der Hand halten als der asiegestaube auf dem Dach nachtrauern.    (Autor Werner Lamberger)

1 Kommentar:

Alois Grundner hat gesagt…

Gratulation allen beiden!
Die Beschreibung von Werners Mattangriff ist ja schon hochlyrisch - toll! Schachlich wie stilistisch.
Kannst du die Endstellung per Mail senden? Ich würde sie in den Blog stellen.