Samstag, 6. November 2010

OIBM Bad Wiessee, Runde 7

Werte Leser und -innen, schreibt es in eure Notizbücher, Organizer, Smartphones oder was immer ihr zum Memorieren wichtiger Informationen benötigt: das Brauhaus in Tegernsee, bzw die dort angebotenen Speisen, sind eine Reise wert! Besonders empfehlenswert ist die Anreise mit dem Schiff - auch wenn Besitzer einer Tourismuskarte hier nicht die gewohnte Ermäßigung erhalten (Grüße an dieser Stelle an den sehr geduldigen "Schaffner", der die Situation höflich aber bestimmt im Disput erläuterte). Gestärkt durch Bierbratl, Räucherlachs, Radisalat, mehrere Brezn und 2 Liter Apfelschorle (die Süßspeisen erwähne ich mit Rücksicht auf allfällig diesen Bericht lesende Ernährungsberater und - innen nicht) ging es dann ran an die Bretter zur alles zerfetzenden Runde 7. Brett 95 Lamberger Werner (Weiß) gegen Weisenburger Horst (ELO 2198) Werner machte in dieser Partie nur eines richtig, er bot zum einzig sinnvollen Zeitpunkt Remis - der Gegner nahm an. Bis zu diesem Zeitpunkt versuchte Werner vergeblich, in einem Staunton-Gambit (seinem ersten als Herr der weißen Steine) Boden unter die Füße zu bekommen. Wie die Analyse zeigte, hätte Weisenburger innerhalb der ersten 20 Züge die Partie drei bis vier mal entscheiden können. Zum Glück für Werner machte er ab einem gewissen Zeitpunkt zwar gute aber nicht mehr beste Züge und verbrauchte zudem viel Bedenkzeit. Als nur mehr 5 Minuten für 15 Züge zur Verfügung standen und Werner sich irgendwie aus dem ärgsten Schlamassel herausgewunden hatte, sprach er mit routinierter, fester Stimme den spielentscheidenen Satz: "Ich biete Remis!" Brett 202 Ovsepyan Arshak (ELO 1918) gegen Thurner Mike (Schwarz) Ein "Hoch" auf die auch in Bad Wiessee anwesende talentierte, einer großen Zukunft entgegenblickende Schachjugend (und nein, damit ist nicht unser allseits geschätzter Mike gemeint). Mit einer erfrischenden Mischung aus Theoriekenntnis, Einfallsreichtum und bereits erstaunlich sicherer Variantenberechnung (oh ja Mike, ich weiß wie weh es tut, diese Zeilen zu lesen) zerstörte der vielleicht elfjährige Knabe (nein, die Füße reichen noch nicht bis zum Boden, wenn er am Sessel sitzt) ohne große Anstrengung unseren Mike. Und das im O'Kelly Sizilianer, der Paradeeröffnung unseres schachspielenden Postfuchses. Als Trost bleibt nur das Wissen, dass vor einigen Jahren schon einmal ein kleiner Wunderknabe viele Punkte in Bad Wiessee holte, und der ist heute die Nummer 2 der Weltrangliste, Magnus Carlsen. Vielleicht können wir in ein paar Jahren einem neuen Wunderknaben zujubeln, wissend, dass es nicht zuletzt unser aller Mike war, der ihn auf seinem Weg nach oben formte. Das Ergebnis, wie es in den großen Fussballstadien verkündet würde: Stadionsprecher: "Arshak"  Publikum: "1" Stadionsprecher: "Mike"  Publikum: "0"  Stadionsprecher: "Danke!" Publikum: "Bitte!" (Autor Werner Lamberger)

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